Quo vadis, Frisbee NRW?

Landesverband tritt aus dem DFV aus

„Es war ein langer quälender Prozess, aber wir sehen keine andere Möglichkeit die Arbeit des Frisbeesport-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen erfolgreich fortzusetzen. Deshalb hat das Präsidium, dass am 21. November beim 7. Landesverbandstag in Duisburg neu aufgestellt werden muss, da ich als Präsident und auch der Discgolf-Chef, Vizepräsident Christian Morisse, nicht zur Wiederwahl zur Verfügung stehen, beschlossen, das finanzielle Risiko mit der Mitgliedererfassung durch den DFV nicht auch das zukünftige Präsidium tragen zu lassen“, erklärte Werner Szybalski, warum Frisbee NRW die Mitgliedschaft im Deutschen Frisbeesport-Verband (DFV) zum Jahresende gekündigt hat: „Wir haben intensiv, auch in erfolglosen Gesprächen mit dem Bundesfinanzverantwortlichen, versucht, das Problem aus der Welt zu räumen. Es ist uns leider nicht gelungen.“

Probleme bereiten Beitragshöhe und gelegentlich fehlende Zahlungsmoral der Mitgliedsvereine

Das Problem, so sieht es das NRW-Präsidium, ist ein grundsätzliches und hat mit der Entstehungsgeschichte des DFV und seiner aktuellen Verfassung zu tun. Der Landesverband NRW war einer der ersten gegründeten Mittelinstitutionen (also zwischen DFV und Vereinen angesiedelt) des Frisbeesports in Deutschland. Der Vorstand des Landesverbandes entwickelte gemeinsam mit Vereinen aus seinem Verbreitungsgebiet eigene Aktivitäten, um den Frisbeesport bekannter und attraktiver zu machen. Ziel war es 50 Vereine mit insgesamt mindestens 2000 Mitgliedern in Nordrhein-Westfalen zusammen zu bekommen. Dies sind zwei der verschiedenen zu erfüllenden Voraussetzungen, um als Fachverband Mitglied des Landessportbundes NRW werden zu können. Die Mitgliedschaft hat viele Vorteile (öffentliche Förderung ist möglich, Teilhabe an der Sportentwicklung in NRW, Aufnahme in den offiziellen Schulsport, Förderung der Übungsleiter*innen-Ausbildung, und so weiter) und praktisch keine Nachteile.

In den vergangenen acht Jahren seit der offiziellen Planung der Landesverbandsgründung initiierte das Präsidium mit einigen Aktiven und Vereinen im Land verschiedene Projekte. Das Frisbeefestival, die Einführung der Westdeutschen Juniorenmeisterschaften im Ultimate, die Discgolf-WestfalenTour, die Ausbildung der Discgolf-Instruktoren, der Bau und Betrieb der Discgolf-Anlage in Bielefeld am Obersee oder die Discgolfliga gehören zu diesen Projekten und Maßnahmen.

Dies muss alles natürlich finanziert werden und auch der personelle Einsatz muss in einer spürbaren Form gewürdigt werden. Dies gelang teilweise durch die Einwerbung von Projekten, mit denen ein Überschuss erwirtschaftet wurde. Der Bau und Betrieb der landeseigenen Discgolf-Anlage in Bielefeld hat allerdings nie Geld abgeworfen, sondern immer Geld gekostet. Der DFV hat, als es noch sehr wenige Landesverbände gab, durchgesetzt, dass Vereine für ihre aktive Spieler*innen exorbitante – im Vergleich zu nahezu allen anderen Sportarten – (derzeit) elf Euro jährlich zu zahlen haben. Dieses Geld dient allein der Finanzierung des DFV-Präsidiums, der Mitgliedsgebühren im Weltverband WFDF und insbesondere zur Finanzierung von angestelltem Personal. Insgesamt 62,36 Prozent der Zwangsgebühren des DFV, die aller Frisbeesportvereine gemeinsam aufbringen, wird von den DFV-Führern für bezahltes Personal ausgegeben.

Die DFV-Zentrale und das Präsidium leisten dafür für die Vereine und die Landesverbände praktisch nichts. Der Spielbetrieb, Sinn und Zweck unseres Verbandes, wird von den Abteilungen (Ultimate und Discgolf) organisiert und zusätzlich zu den DFV-Kosten von den Vereinen (Spielabgaben der Ultimateteams) oder Aktiven (Spielgebühren der Discgolf-Turnierteilnehmer*innen) bezahlt.

Allerdings müssen die Landesverbände – auf Beschluss des DFV und völlig ohne Vereinbarung oder gar Mitsprache – dafür sorgen, dass der Geldfluss von den Vereinen an die DFV-Spitze nicht versiegt. Dazu wird eine wenig brauchbare digitale DFV-Mitgliederverwaltung verwendet, die nicht etwa die Mitglieder des DFV, also die Landesverbände, erfasst, sondern die Mitglieder in den Mitgliedsvereinen der Landesverbände. Verklärt wird der ganze Vorgang damit, dass so die Spielberechtigung der Spieler*innen erfasst wird. Tatsächlich ist dies aber eine Aufgabe der Sportabteilungen, die auch ihnen nicht abgenommen wird, sondern lediglich zum Abschöpfen von Geld aus den Vereinen genutzt wird. Zumindest die Discgolfer, also ihre Abteilung auf Bundesebene, bekommen seit Jahren keinen Cent mehr vom DFV. Die Landesverbände bekommen auch nur die Arbeit ab. Die aus der Arbeit entstehenden Kosten und selbst die externen Aufwendungen für Mahnbescheide, Gerichtskosten, etc. will der DFV allerdings nicht tragen, sondern schreibt munter Mahnungen an Frisbee NRW.

Landesverband wird von den DFV-Führern in Haftung für zahlungsunwillige Vereine genommen

Der Landesverband selbst erhebt von den Mitgliedsvereinen einen Euro pro Jahr für jedes bei der jährlich im Januar abzugebenden Bestandsmeldung gemeldete Vereinsmitglied. Dies sind für 2021 aktuell 1103 Euro.

Seit Jahren bittet der Landesverband NRW die DFV-Spitze, die Kosten des Landesverbandes für den Aufwand mit der Datenbank sowie für das Eintreiben der vom DFV-Präsidium verlangten Gelder der Mitgliedsvereine zu übernehmen, da sie von den etwas über 1000 Euro Eigeneinnahme des Landesverbandes nicht finanzierbar sind. Dies lehnt die DFV-Führung kategorisch ab und besteht selbst auf Begleichung von Rechnungen aus dem System durch den Landesverband, die von den Vereinen nicht bezahlt wurden. Mangels Verfügungsmasse ist dies aber gar nicht möglich, was den DFV-Führern auch bekannt ist, sie aber nicht daran hindert per Einschreiben Mahnungen zu verschicken.

Neuer Landesvorstand muss arbeiten können

Da zwei von drei Präsidenten sicher ausscheiden, musste das Präsidium handeln, um überhaupt eine Chance zu haben, dass der NRW-Vorstand weiter bestehen bleibt. Da die DFV-Führer sich bislang kaum bewegten, lediglich gelang es NRW-Vizepräsindet Dominik Hildebrandt einen Abrechnungskompromiss für den Zeitraum bis Ende 2020 auszuhandeln, der zwar erfüllt ist, aber von den anderen Präsidiumsmitgliedern bislang nicht mitgetragen wird, und sie zudem dem Landesverband Nordrhen-Westfalen damit drohten, dass die anderen linientreuen Landesverbände NRW schon überstimmen würden, blieb dem Landesverband nichts anders übring, als die Mitgliedschaft fristgerecht zu kündigen.

„Wie gering das Interesse am Landesverband und dessen Vereinen bei den DFV-Führern ist, zeigt die Reaktion des DFV-Geschäftsführers auf die Kündigung durch Frisbee NRW. Unter Mißachtung aller Datenschutzgesetze schrieb der Hauptamtliche insgesamt über 60 Emailanschriten mit der Kündigungsbestätigung an. Vermutlich, um Stimmung gegen den NRW-Landesverband zu erzeugen. Das der fachlich häufig wenig kompetente Geschäftsführer zudem den Vereinen mit einem Spielverbot drohte, schlägt dem Fass den Boden aus“, ärgert sich der scheidende NRW-Präsident Werner Szybalski über die gezeigte Geldgier und das nicht vorhandene Demokratieverständnis.